Wie ist die digitale Gesellschaft in der Wirtschaft repräsentiert? Business macht einen wesentlichen Anteil deutscher Gesellschaft aus – tagsüber zumindest, als Brötchengeber, Arbeitsplatz, Unterbau, Tagesprogramm. Mit seinen tausenden Glücksnuss-Öffnern, Gowalla-Ablehnern, Late Followers.
Und es bedeutet Zukunft: Verantwortung, Innovation, Fortschritt, energetischen Handeln inmitten der Gesellschaft. Diese Aufzählung lässt sich weiter fortführen. Die Rolle digitaler Mitarbeitern ist längst verankert: Reflektieren, planen, bloggen, vereinfachen, be- und entschleunigen, und, wo notwendig, helfen, in eine passende Richtung zu schubsen. Dank Social Media sind viele Unternehmen längst im Umbau zum Enterprise 2.0.
In der 1. Folge unserer neuen Interview-Reihe “99 Köpfe des Social Web” haben wir mit Bianca Gade gesprochen. Sie ist Social Media Manager der netmedianer, einer strategische Enterprise 2.0 Beratung aus Saarbrücken, und verantwortet deren digitalen Auftritt.
Hallo…
Herzlichen Dank für die Einladung zu diesem Interview und auch nochmals herzlichen Dank für das Enterprise 2.0 Treffen [dem gemeinsamen 1. webcific coffee für digitale Arbeiter – d. Red.], anlässlich der re:publica in Berlin.
Wann haben Sie zuletzt etwas handschriftlich verfasst?
Ich verfasse regelmäßig etwas mit Papier und Bleistift. Vor allem ist dies für mich der ideale Weg, um erste kreative Gedanken zu formen, bevor sie dann digitalisiert werden.
Wie sind Sie zum Social Web gekommen: Gibt es ein Schlüsselerlebnis?
Nein. Ich hatte Anfangs auch gar nicht die Absicht dort einzutauchen. Eigentlich wollte ich nur mal eine neue Website für mich bauen mit einem CMS, dessen Bedienung ich erlernt habe. Als diese dann stand kam der nächste Gedanke: Wie kann ich es schaffen, dass sie in Google gut positioniert wird? Durch regelmäßige Updates entwickelte sich ein Blog. Irgendwann kam dann Twitter hinzu, das mich völlig unerwartet, bis zum letzten Nerv elektrisierte. Facebook war dann auch nicht mehr weit. Dass diese Form der Kommunikation auch Potential für Unternehmen hat, war schnell erkannt. Mein Interesse geht dabei weit über den Marketinggedanken hinaus: Was mich heute vor allem interessiert ist, wie wir das Konzept des Web 2.0 in Unternehmen bringen können. Für eine verbesserte Unternehmensinterne Kommunikation sowie eine Verbesserung des Ideen- und Innovationsmanagements.
Was zeichnet Ihrer Meinung nach die Rolle von Social Media im Unternehmen aus?
Der soziale Charakter. So etwas gab es zuvor beim klassischen Wissensmanagement nicht. Plötzlich stehen keine Workflows oder optimierte Prozesse im Vordergrund, sondern der Mitarbeiter. Plötzlich ist nicht mehr Geld der Motivationsfaktor, sondern Anerkennung in Form eines Dankes und eines Lobes – sowohl vom Chef als auch von Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern. Darüber hinaus wurde durch Social Media wichtige soziale Vernetzungen (Vitamin B), auf einmal für jedermann möglich. Informelle Gespräche über gemeinsame Themen und Interessen, wie z.B. die Frage nach dem letzten Urlaub, der Austausch über die gestrige TV-Show oder über gesellschaftliche Ereignisse, gewinnen plötzlich an Bedeutung: Denn solche Gespräche schafft untereinander Vertrauen. So werden Hürden gesenkt um auch mal mit einer besonderen Bitte zu kommen oder Fragen zu stellen, die man sich sonst nicht zu stellen getraut hätte – eingeschlossen der geschäftlichen Bereich. Soziale Vernetzung und Fragen sind wichtig, denn so kann im Unternehmen kollektives Wissen heranwachsen und es gedeiht von der Basis ab eine Lernkultur, die wir von jetzt an auch digital abbilden können. So kann jeder Mitarbeiter zum Experten werden und auch wieder Experten im Unternehmen finden. Und das Themenbasiert und nicht, weil sie in einer Abteilung arbeiten. Das Ergebnis ist eine auf Vertrauen aufbauende soziale Unternehmenscommunity, die schnell lernt, schnell reagiert, kreativ ist und das vor allem mit Begeisterung und Leidenschaft an der Wertschöpfungskette des Unternehmens.
Welche 3 Plattformen und Werkzeuge sind heute besonders empfehlenswert und nützlich für Kommunikationszwecke?
Uff. Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich so nicht beantworten kann. Jedes Unternehmen verfolgt eigene Ziele, für die abgewägt werden muss, was sich für was eignet. Denn würden wir uns anfangs auf Tools und Plattformen konzentrieren, würden wir uns von Grund auf damit zufrieden geben müssen, was es kann und was nicht.
Was ist die Grundvoraussetzung, um am Leben im digitalen Raum teilnehmen zu können?
Ein Internetanschluss.
Was geht besser offline – wovon raten Sie dringend ab, über Angebote und Möglichkeiten im sozialen Netz zu tun?
Ich kann nur jedem empfehlen, Kontakte auch offline zu pflegen. Und die Tage, an denen das nicht geht, soziale Netzwerke zu nutzen. Bezüglich der Angebote, kann ich weder welche explizit für alle empfehlen, noch explizit von Angeboten abraten. Es ist immer eine Frage der Ziele und der Bereitschaft, wie offen und transparent sich das Unternehmen zeigen kann und möchte. Auch gesetzliche Grundlagen und Compliance-Bestimmungen gehören in das Strategie-Konzept und die können von Branche zu Branche und von Unternehmen zu Unternehmen variieren.
Wunschvorstellung: Gesetzt, Sie könnten einen Tag lang über die Schulter schauen oder zusammenarbeiten – mit wem? (gleich, ob im
Unternehmen oder Freelance)
Ricardo Semler. Weil er als Inhaber von SEMCO sehr erfolgreich das gewagt hat, wovor Unternehmen heute noch Angst haben: Demokratie ins Unternehmen einzuführen. Und das war schon 1983.
Wovon träumen Sie, es in 10 Jahren zu machen?
Ich möchte darüber schmunzeln können, wie umständlich Kommunikation noch vor 10 Jahren war. (lacht)
Bianca Gade über sich:
“Ich habe weder PR noch Kommunikationswissenschaften, noch Marketing o.ä. studiert und mit meiner Ausbildung zur Außenhandelskauffrau eine typische Quereinsteigerin. Die Faszination Internet hält mich seit 1998 in seinem Bann und ich hatte das Glück, es früh zum Beruf werden zu lassen. Erste Station war 2000 im Online-Marketing eines Papiergroßhändlers. Dort war ich Mädchen für alle Onlinefragen und unter anderem Webmaster, Online-Redakteurin und verantwortlich für den E-Procurement und E-Commerce Support. 2005 gab es einen Wechsel in die IT zur Siemens AG in Karlsruhe. Dort war ich Projektleiterin für den Aufbau eines globalen Intranets für die Division, mit Microsoft SharePoint. Das war mein erster richtiger Kontakt mit dem Thema digitaler Arbeitsplatz, mit all seinen Facetten. [Bei netmedia beraten wir] alle Unternehmen die sich fragen, wie Menschen, Inhalte und Technik, für die bestmögliche, interne Kommunikation in Einklang gebracht werden können. Dabei konzentrieren wir uns auf den einzelnen Mitarbeiter und darauf, dass er effizient arbeiten kann. Denn ich und mein Team sind einfach überzeugt davon, dass Enterprise 2.0 der digitale Arbeitsplatz der Zukunft ist.”
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– In einer kommenden Folgen von “99 Köpfe des Social Web”: Stefan Kölle, stellenanzeigen.de





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